Daniel B.

„Ich erzählte allen, die Narben kämen von einem Unfall“ – Daniel B. (50 Jahre alt) erzählt die Geschichte von seinem Feuermal, das ihm mit 14 Jahren entfernt wurde.

 

Nur wer genau hinschaut, sieht die gut verheilte Narbe rund um das Auge und die Nase von Daniel B. Kinderfotos zeigen, dass dort vor der Narbe einmal ein rotes Feuermal war. Herr B. erinnert sich gut an seine Kindheit mit dem Feuermal. Innerhalb der Familie war er gut aufgehoben. Aber er erzählt von wildfremden Leuten, die ihm ins Gesicht fassten. Er sagt, er sei auf dem Pausenplatz stets der Spielball gewesen, wurde von Mitschülern gehänselt, verprügelt oder in den Brunnen geworfen, weil er anders war. Daniel B. ist jeweils nach Hause gerannt, um seinen Schulkameraden zu entkommen. Mit der Zeit habe er sich deshalb immer mehr zurückgezogen. „Ich war am liebsten für mich und habe viel gelesen.“

 

Auf der Suche nach einer Behandlungsmöglichkeit für das Feuermal in seinem Gesicht, reiste seine Mutter mit ihm von Arzt zu Arzt. Herr B. erzählt, dass auch sie unter seiner Auffälligkeit gelitten habe. „Sie machte sich Vorwürfe, dass sie mitverantwortlich für mein Feuermal ist.“ Nach unzähligen Arztbesuchen im In- und Ausland konnte schliesslich ein Arzt am Unispital in Zürich helfen. Er entfernte dem damals 14-Jährigen in zwei Operationen das Feuermal, indem er Haut von der Halsgegend transplantierte. Von diesem Zeitpunkt an änderte sich einiges im Leben von Daniel B.: „Der Arzt hatte mir geraten, meinen Mitmenschen zu erzählen, die Narben kämen von einem Unfall.“ Seine blühende Phantasie lieferte Daniel B. die kühnsten Geschichten von Autos und schnellen Motorrädern, die sich überschlagen. Und es funktionierte. „Ich merkte, dass sich die Leute – im Gegensatz zu früher – plötzlich für mich interessierten.“ Diese neue Aufmerksamkeit habe er genossen. Die Pubertät hat er denn auch in guter Erinnerung. Er konnte sich auf zwei gute Kollegen verlassen, die ihn überall hin mitnahmen. „Mit Hänseleien hatte ich nicht mehr zu kämpfen. Eigentlich war es damals mehr ein innerer Kampf, mich und mein Äusseres zu akzeptieren.“

 

Doch mit 20 Jahren wurde ihm plötzlich bewusst: „Ich gehe mit einer Lüge durchs Leben.“ Erst dann begann er, die effektive Geschichte zu erzählen. Auch gute Kollegen musste er aufklären, dass seine Geschichte so nicht ganz der Wahrheit entspreche. Diese hätten es gut aufgenommen und ihn verstanden. Trotzdem merkte er bald, dass die Wahrheit einiges an Selbstwertgefühl verlangte. Andere Menschen sagten plötzlich, ein Feuermal sei doch gar nicht so schlimm. „Das sagt man als Nicht-Betroffener so leicht. Die wissen ja nicht, wie das wirklich ist.“ Sich selber zu akzeptieren und zu seiner Geschichte zu stehen, war für Daniel B. ein langer, anstrengender Prozess. „Rückblickend hat es mich stark gemacht. Aber in der Situation selber brauchte es viel mentale Stärke.“ Er musste beispielsweise lernen, seine grosse Wut auf Leute, die ihn anstarrten, umzuwandeln in ein ‚Ja, schaut mich nur an’. Hilfe fand er in Fachbüchern, die er, seit er lesen konnte, verschlang, und im Kampfsport, der auch heute noch eine wichtige Rolle in seinem Leben spielt.

 

Daniel B. ist es gelungen, seine Lebenserfahrung zu seinem Beruf zu machen. Als Selbstständiger berät er heute Manager und Firmen und hält regelmässig Referate und Workshops vor Publikum. Die Angst von damals, was Leute über ihn denken könnten, ist verschwunden. Seine Geschichte hat ihn stark gemacht. In den vollen Sälen verlangt Herr B. viel von sich und neigt zum Perfektionismus. Er möchte seinem Publikum zeigen, dass es darum geht, wie es in einem aussieht und nicht um das Äussere. Echte Begeisterung komme von innen und nur sie sei mitreissend und überzeugend. „Erst wenn man den Kampf gegen und mit sich selber aufgibt, kann man sich neuen Zielen zuwenden.“

 (Text: Noemi Landolt; Fotos: Valérie Jaquet)

 

 

  1. Daniel B sagt:

    Vielen lieben Dank Euch allen!

    Es gab Momente, da habe ich mich gefragt, was die Leute von mir denken – heute denke ich, was waren das für Leute? Ich habe gelernt, auf die leise, innere Stimme zu hören und gehe selbstbewusst durchs Leben und teile meine Erfahrungen mit Menschen, die davon profitieren wollen. Der Kreis schliesst sich.

    Great spirit here!
    Daniel

  2. Robi sagt:

    Super Dani! Wow! Respekt! Finde es toll, dass Du die wahre Geschichte erzählst. Stets folgt aus einer negativen Geschichte ein sichtliches happy end! TOLL! Das hat Deine Persönlichkeit mit Sicherheit positiv beeinflusst und schätze es sehr, Dich und Anita kennengelernt zu haben!
    WEITER SO! Verfolge weiterhin Deine Träume und Ziele im Leben! Gruss Robi

  3. Manu sagt:

    Super, Danny!
    Wunderbar zu sehen, wie aus der „vermeintlich“ grössten Schwäche die grösste Stärke entstanden ist. Weiter so…!
    Lg, Manu

  4. Werner sagt:

    Super, ehrlich gesagt habe ich keine Narben bemerkt. So genau schaut man eben meist gar nicht hin. Finde das super zur Wahrheit zu stehen und es ist sicher nicht so einfach, wie man meint, mit einem Feuermal zu leben.

  5. Esti sagt:

    Bravo Danny!!

    big hug!!

    Esti

  6. Daniel sagt:

    Hoi Daniel

    Eifach guet !
    Lg Daniel

  7. Oldrich sagt:

    Wahrheit ist Bestandteil von Vertrauen und durch nichts zu ersetzen. So habe ich dich kennengelernt und bin stolz darauf dein Tomodashi zu sein. LG oldrich

  8. René sagt:

    Hallo Daniel

    Schön das du so offen über das Erlebte erzählen kannst. Schicksale, Probleme und andere Steine welche im Wege liegen prägen einen und machen einen Stark. Es sind eben jene Persönlichkeiten die Schlussendlich überleben und das Leben in die Hand nehmen um es zu bewältigen.
    Kenne das auch eigener Erfahrung.
    Weiterhin alles Gute.
    Gruss
    René

  9. Hanspeter sagt:

    Liebe Gruesse an Dich und Anita

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