Mutter von Isabel

„Ich bin stolz auf Isabel“ – Frau S. erzählt, wie der Grill-Unfall ihrer Tochter Isabel die ganze Familie belastet hat.

 

„Isabel hat sich ein bisschen verbrannt. Also ein bisschen fest. Der Krankenwagen ist unterwegs.“, so informierte Isabels Kollegin Frau S. telefonisch über den Grill-Unfall. Frau S. wusste sofort, dass es schlimm war. Kurz vor 20 Uhr landete der Helikopter in Zürich. Dann ging alles schnell. Isabel wurden die Haare abrasiert und sie wurde sofort operiert. Frau S. fühlte sich elend. Vor Mitternacht kam Isabel schliesslich aus dem Operationssaal und auf die Intensivstation. „Sie war eingepackt wie eine Mumie. Man sah nur noch die Augen, den Mund und die Nase.“

 

Es folgte ein fast einjähriger Spitalaufenthalt. Immer wieder kam es bei Isabel zu Komplikationen, weil sie eine schlechte Wundheilung hatte. In dieser Zeit flossen viele Tränen. Es war auch eine enorme Belastung für die Eltern und Isabels zwei ältere Geschwister. „Bis man wieder etwas Boden unter den Füssen fand, dauerte es sicher ein halbes Jahr.“ Geholfen haben Frau S. in dieser turbulenten Zeit vor allem Gespräche mit dem Sozialdienst und dem Pflegepersonal. Auch die Verwandtschaft war eine grosse Stütze. „Wir erstellten einen Stundenplan, damit wir wussten, wer wann bei Isabel ist. So war sie in der ganzen Zeit nie alleine.“

 

Der Unfall und die lange Zeit im Spital stellten auch Isabels Eltern vor neue Herausforderungen. „Unsere Ehe stand damals auf der Kippe.“ Herr S. sprach nie viel über den Unfall und seine Gefühle. Frau S. litt zunehmend darunter. Für sie stand fest: „Entweder Ehetherapie oder Trennung.“ Sie kämpften. Mit Erfolg. Rückblickend hat Isabels Unfall die Familie neu und noch fester zusammengeschweisst.

 

Zurück im Alltag machten Frau S. vor allem die Reaktionen der Leute zu schaffen. Alle starrten ihre Tochter an – ob im Zug oder in der Schlange vor der Toilette. „Das war für mich fast nicht ertragbar.“ Auch an ein Gespräch in der Küche erinnert sich Frau S. noch gut. Isabel kam weinend zu ihr und sagte, sie wolle neu geboren werden. „Das zerriss mir das Herz.“ Auch der Schulwechsel ans Gymnasium in die Stadt machte Frau S. Sorgen. Was, wenn da nur „Tussis“ sind? „Ich drückte sie fest, als sie an diesem Tag das Haus verliess.“ Aber es kam alles gut. Seit diesem Sommer zeigt Isabel ihre Narben auch in der Öffentlichkeit immer offener. Die über 30 Halstücher, mit denen sie ihre Narben früher verdeckte, hat sie im Schrank verstaut. „Das macht mich und die Familie sehr stolz.“

 

(Text: Noemi Landolt)

 

  1. Manuela Riedo sagt:

    Ihr sind e ganz tolli Familie!
    Liebe Gruess

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