Vivienne

Man stellt sich zuerst alles besonders schlimm vor, aber dann ist alles rasch vorbei.“ – Vivienne erzählt, wie sie die Expander-Technik erlebt hat.


Vivienne wurde mit einem bläulich schimmernden Muttermal, einem sogenannten „Nävus Caeruleus“ oder auch „blauer Nävus“ genannt, am Kopf geboren. Manchmal schimmerte es zwischen Viviennes Haaren durch, aber das störte sie kaum. Ihre Mutter nannte es stets liebevoll „gutes Mal“.


Mit 11 Jahren, begann Viviennes Nävus beim Haare kämmen zu schmerzen. Die Mutter bemerkte, dass der Nävus gewachsen war. Der Hautarzt führte eine Biopsie durch. Dafür bekam Vivienne eine Spritze in den Kopf, was für sie sehr unangenehm war. Vivienne wurde danach an der Universitätsklinik von zahlreichen Ärzten untersucht. In guter Erinnerung bleibt ihr, wie die Ärzte mit elektrischen Trottinetts die langen Gänge hin und her düsten. „Da möchte ich am liebsten später auch einmal Ärztin werden!“

Die Meinungen der Ärzte über das weitere Vorgehen gingen auseinander. Die einen sahen keinen dringenden Handlungsbedarf,  die anderen empfahlen eine sofortige Entfernung des Nävus, da sich die Zellen bösartig verändern könnten. Klar war, dass bei einem Verzicht auf eine Operation jährlich eine Biopsie zur Kontrolle nötig gewesen wäre. Dies wollte Vivienne aber auf keinen Fall. Ihre Eltern und sie entschieden sich daher für eine operative Entfernung des Nävus.


Diese Operation wurde am Kinderspital Zürich durchgeführt. Dabei wurde die sogenannte Expander-Technik angewendet. Ein Expander ist ein eine Art Kissen, das unter die Haut gelegt wird. Durch das Auffüllen mit Kochsalzlösung lässt sich der Expander vergrössern und so wächst über ihm ein gesunder Hautüberschuss heran. Die dadurch gewonnene Haut kann dann verwendet werden zur Deckung der Stelle, wo der Nävus operativ entfernt wird. Bei Vivienne wurde der Expander gleich neben dem Nävus am Kopf platziert. Dies hat den Vorteil, dass die neue Haut die gleichen Eigenschaften (Farbe, Haare) wie die umgebende Haut hat.


Um den Expander gut platzieren zu können, mussten die Ärzte Viviennes lange Haare auf einer Seite abrasieren. Vivienne war zunächst traurig darüber und machte sich Sorgen, wie die anderen Kinder in der Schule wohl auf den Expander reagieren würden. Gemeinsam mit ihrer Mutter schrieb sie einen Brief an ihre Mitschülerinnen und deren Eltern. Darin erklärte sie, weshalb sie die Haare abschneiden musste und was ein Expander ist. Somit waren gleich alle informiert. Der Wiedereintritt in der Schule verlief dann problemlos. Vivienne selbst meint im Nachhinein: „Es ist nur eine Gewöhnungssache“.


Vivienne trägt den Expander nun seit 6 Wochen. Es ist genug Haut gewachsen und bald steht die nächste und hoffentlich letzte Operation an. Vivienne zeigt sich diesbezüglich unbesorgt. Sie weiss ja schon: „Man stellt sich zuerst alles besonders schlimm vor, aber dann ist alles rasch vorbei.“ Toll findet Vivienne, dass man bei der Narkose aus verschiedenen Gerüchen auswählen darf; sie entschied sich für Schokolade und Erdbeere.


Und natürlich freut sich Vivienne, wenn alles vorbei ist. Dann kann sie endlich wieder Skateboard fahren, schwimmen und ins Kung-Fu Training gehen – Aktivitäten, worauf sie zum Schutz des Expanders für eine Weile verzichten musste.



(Text: Tilla Aegerter, Fotos: Gabriela Acklin)

Hier sehen Sie Vivienne’s Brief an Ihre Schulkameraden:

 

Brief Vivienne

 

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