Herzensfotoprojekt #nofilter von Melinda Blättler

In einer Welt, die von retuschierten Bildern und idealisierten Darstellungen geprägt ist, bringt Melinda Blättler eine erfrischende Authentizität in die Fotografie. In ihrem Herzensfotoprojekt #nofilter, sowie ihrem 2022 erschienenen Buch «99x einzigartig» präsentiert die Nidwaldnerin ungefilterte Porträts von Menschen, deren Aussehen nicht den gängigen Schönheitsidealen entspricht, mit Tabus bricht oder ganz einfach nicht alltäglich ist.

 

Blättlers Ideen entstanden aus einem tiefen Unbehagen darüber, wie Social Media dazu beiträgt, unrealistische Schönheitsstandards zu propagieren. «Als Fotografin erlebe ich es oft, dass KundInnen mit konkreten Wünschen zu mir kommen, an welchen Stellen ich ihr Aussehen auf den Bildern nachträglich bearbeiten sollte.» Mit ihrem Buch möchte sie nicht nur die Vielfalt menschlicher Schönheit zeigen, sondern auch zum Nachdenken über gesellschaftliche Normen und Akzeptanz anregen.

 

 

Alles begann mit einem intensiven Auswahlprozess, bei dem Blättler Menschen suchte, die bereit waren, ihre Geschichten und ihre „Besonderheiten“ mit der Welt zu teilen. Von Menschen mit sichtbaren physischen Einschränkungen bis hin zu solchen, mit eher unsichtbaren psychischen Herausforderungen – die Fotografin fängt die Breite und Tiefe menschlicher Erfahrung ein. Ihre Fotografien, alle in schwarz-weiss aufgenommen, rücken die Persönlichkeiten der Porträtierten in den Vordergrund. Ohne Ablenkung durch Farben, Hintergründe, Accessoires, Make-Up oder auffällige Kleidung wird die Einzigartigkeit und natürliche Schönheit jeder porträtierten Person besonders betont. Und so präsentiert Blättler in ihrem Buch 99 Menschen im Alter von wenigen Monaten, bis 99 Jahren – Personen mit Verbrennungsnarben oder Amputationen, Krebsüberlebende, Transpersonen, und viele mehr, die alle eines gemeinsam haben: sie sind schön, so wie sie sind.

 

„99x einzigartig“ sowie #nofilter sind nicht nur ein Fotografie-Projekt, sondern ein Manifest für Selbstakzeptanz, Inklusion und Toleranz. Es erinnert uns daran, dass wahre Schönheit in der Individualität liegt und dass jeder Mensch etwas Einzigartiges zu bieten hat.

 

(Text: Celina Weber, wissenschaftliche Mitarbeiterin Hautstigma, Februar 2024)

 

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